Der leere Käfig

 


Mit „Himmelstür“ schafft Sabeth Faber ein Aquarell, das wie ein stilles Ritual wirkt: ein Bild, das nicht nur betrachtet, sondern betreten werden möchte. Entstanden im Dezember 2018 zur Vorbereitung eines Frauengottesdienstes zur Heiligen Barbara, öffnet es einen symbolischen Raum zwischen Erde und Himmel, zwischen Schutz und Aufbruch.


Im Zentrum steht ein schimmerndes Tor, ein lichtdurchlässiger Durchgang, umrankt von Pfauenfedern und zarten Blütenranken. Dieses Tor ist weniger Architektur als Atmosphäre – ein Übergang, der sich nicht mit Schlüsseln, sondern mit innerer Bereitschaft öffnet. Die Pfauenfedern verleihen dem Motiv eine feierliche Würde; sie erinnern an Schönheit, Wachsamkeit und das Auge, das sieht, ohne zu verletzen.

Links im Bild steht ein goldener Kelch, gefüllt mit rosafarbenem Licht. Er wirkt wie ein Gefäß für Segen, Trost oder Wandlung – ein stilles Echo auf die Legende der Heiligen Barbara, die in der Enge ihres Turmes einen inneren Raum der Freiheit fand. Die verstreuten Blütenblätter zu seinen Füßen verstärken diesen Eindruck: Sie sind Spuren eines unsichtbaren Rituals, Zeichen einer zarten, aber entschiedenen Hingabe.

Rechts ruht ein goldener Vogelkäfig auf felsigem Grund. Er ist geschlossen, aber leer – ein starkes Bild für Befreiung. Daneben liegt eine große Feder, als hätte ein Vogel gerade erst den Käfig verlassen. Zusammen mit dem Tor entsteht ein doppelter Bewegungsimpuls: hinaus aus der Enge, hinein in das Licht. Das Auge-Motiv am Boden – halb Ornament, halb Wächter – verankert diese Bewegung in einer spirituellen Wachsamkeit.

Der tiefblaue Hintergrund trägt das gesamte Bild wie eine nächtliche Stille, über der der Mond hell und klar steht. Dieses Blau ist kein Dunkel, sondern ein Schutzraum, ein Mantel. Es lässt die goldenen und rosafarbenen Elemente leuchten und verleiht dem Bild eine kontemplative Tiefe.

 

„Himmelstür“ ist damit mehr als ein religiöses Motiv. Es ist ein poetisches Bild über innere Freiheit, über den Mut, Schwellen zu überschreiten, und über die stille Kraft, die entsteht, wenn Enge sich in Weite verwandelt. In seiner Verbindung von Symbolen, Farben und spiritueller Anmutung zeigt es Sabeth Fabers Fähigkeit, aus persönlichen und mythologischen Quellen eine eigene, zeitgenössische Bildsprache zu formen – eine Sprache, die nicht belehrt, sondern öffnet

 

Mehr zur Heiligen Barbara:

Vgl. Kunst braucht Zeit (): Stärker als der Turm und die Unbarmherzigkeit des Vaters

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