Aura der Hoffnung

 


Das Aquarell „Getragen werden“ aus dem Zyklus „Veränderung“ von Sabeth Faber, entstanden im Frühsommer 2012, vermittelt eine kraftvolle, zugleich zarte Bildsprache, die tief in emotionale und symbolische Ebenen hineinreicht. Im Zentrum steht eine leuchtend rote Rose, umgeben von weißen Lilien und grünen Blättern, eingebettet in ein strahlend gelbes, flammenartiges Muster, das sich wie eine Aura nach außen ausbreitet. Diese Komposition wirkt wie ein visuelles Gebet – ein Ausdruck von innerer Transformation, Schutz und Hoffnung.

 

Die rote Rose, traditionell Symbol für Liebe, Leidenschaft und Lebenskraft, scheint hier nicht nur für romantische Gefühle zu stehen, sondern für das Herz selbst – das Zentrum des Seins, das inmitten von Wandel und Verletzlichkeit getragen wird. Die weißen Lilien, oft mit Reinheit, Frieden und spiritueller Erneuerung assoziiert, flankieren die Rose wie Wächter oder Begleiter. Sie könnten für eine Sehnsucht nach Klarheit und innerer Reinigung stehen, vielleicht auch für eine stille Trauer oder das Bedürfnis nach Versöhnung. Die grünen Blätter fügen dem Bild eine erdende Komponente hinzu – sie sprechen von Wachstum, Heilung und Verbindung zur Natur.

Die gelben, flammenartigen Muster im Hintergrund sind besonders auffällig. Sie strahlen Wärme und Energie aus, wirken aber zugleich wie ein Schutzschild oder eine spirituelle Hülle. Gelb kann für Licht, Erkenntnis und geistige Wachheit stehen, aber auch für Nervosität oder innere Unruhe. In diesem Kontext scheint es eher als Zeichen einer aufbrechenden Lebenskraft gelesen zu werden – als Ausdruck eines inneren Erwachens, das sich seinen Weg durch Schmerz und Veränderung bahnt.

Stilistisch lässt sich eine Mischung aus symbolistischem Denken und intuitiver Farbführung erkennen. Die Komposition ist klar zentriert, fast mandala-artig, was auf ein Bedürfnis nach Ordnung und innerer Balance hindeutet. Die Aquarelltechnik erlaubt fließende Übergänge, die das Thema der Veränderung visuell unterstützen – nichts ist starr, alles ist in Bewegung. Die Farbwahl ist bewusst gewählt: Rot, Weiß, Grün und Gelb bilden ein harmonisches, aber spannungsreiches Ensemble, das emotionale Tiefe und spirituelle Suche gleichermaßen ausdrückt.

Aus dem Bild lässt sich schließen, dass Sabeth Faber sich in einer Phase der inneren Umbrüche befand – vielleicht geprägt von Verlust, Neubeginn oder einer existenziellen Fragestellung. Die psychische Verfassung scheint von Verletzlichkeit und gleichzeitiger Stärke geprägt zu sein. „Getragen sein“ wirkt wie ein Versuch, sich selbst zu versichern, dass man nicht allein ist – dass es Kräfte gibt, die einen halten, auch wenn alles ins Wanken gerät. Es ist ein Bild der Hoffnung, aber keine naive Hoffnung: Es kennt die Dunkelheit, und gerade deshalb leuchtet es.

Thematisch berührt das Werk Fragen nach Identität, innerer Heilung, spiritueller Verbundenheit und emotionaler Transformation. Es spricht von einem tiefen Bedürfnis nach Geborgenheit und von der Kraft, die in der Akzeptanz des Wandels liegt. Die Muster – flammenartig, organisch, kreisend – erinnern an archetypische Symbole von Schutz und Erneuerung. Sabeth Faber scheint eine Künstlerin zu sein, die mit großer Sensibilität und innerer Tiefe arbeitet, deren Werke nicht nur ästhetisch, sondern auch existenziell berühren.

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